Über zwei Fahrten in der Adventszeit durch das deutsche Lande. Und was man dabei als treuer Fahrtgast erlebt.
Lag es an der besinnlichen Vorweihnachtszeit? Oder am ruhigen Wetter? Es gab weder Schnee, noch Sturm noch Streik. Im Gegenteil: Ruhe und Frieden lag auf den Geleisen der Deutschen Bahn. Sowohl bei der Hinfahrt am Mittwoch, 11.12., als auch bei der Rückfahrt am Samstag, 14.12., gab es kaum nennenswerte Verspätungen.
Trotzdem kann man als Bahnreisender immer was berichten. Zugfahren ist ja nicht nur eine Fahrt von A nach B. Es ist eine Reise mit Begegnungen. Hektik an den Bahnhöfen. Sanftem Rattern durch die Landschaft.
Pünktlichkeit im Fernverkehr
Ob denn der Zug pünktlich in Ulm ankommt, fragt der ältere Herr, der in Kufstein eingestiegen ist. Darauf die Schaffnerin trocken in bayrischem Akzent: Wenn i des wüsst, würd i Lotto spielen.
Darauf fiel dem Reisenden nichts ein, außer ein gehüstelter Lacher. Alle im Zug wussten, dass wir nur in einem Roulette-Spiel sind. Alles ist möglich. Ankunftszeiten werden von der DB im Jahr 2024 ja nur mehr geschätzt.
Weitere Schätzungen
Für meine Liebe zum Bahnfahren und der Treue zur Deutschen Bahn ernte ich in der Autofahrernation Deutschland oft nur Kopfschütteln und Achselzucken. Oft werde ich gefragt, warum ich nicht fliege. Wäre ich 15, würde ich sagen: Alter, was is mit Klima, Alter!
Nein, also Fliegen kommt für mich überhaupt nicht in Frage - außer es geht wirklich nicht anders. Zu groß wiegt der CO-2-Rucksack und zu sehr groß wäre der Vertrauensverlust. Wie glaubwürdig wäre ich als Meteorologe und Klimabotschafter noch, wenn ich den Flieger nehmen würde.
Was, acht Stunden im Zug - so lange! Das höre ich auch manchmal als Replik. Also ich finde so eine Fahrt eigentlich entspannend. Manche setzen sich für einen Wochenendtrip ja auch sechs Stunden ins Auto und dann kommt noch Stau dazu. Also da finde ich acht Stunden ganz passabel.
Zwischen den Reihen
Außerdem kann man im Zug so nett den anderen Leuten zuhören und seinen Blog schreiben. Dem Ehepaar um die fünfzig, dass sich von Frankfurt bis München fast durchgehend flüsternd über Gott und die Welt unterhält. Er war felsenfest überzeugt, dass der Brief (es war wohl eine Mail), den er erhalten hat, nicht für ihn gedacht war. Die Frau ließ sich bis Nürnberg nicht überzeugen.
Oder ich hätte nie den zwei jungen Männer lauschen können, die ganz easy und gechillt von Kufstein nach Innsbruck fahren um der Alpenmetropole mal ganz random einen Besuch abzustatten. Und nicht einmal Verspätung. Safe!
Oder die Familie mit zwei Jugendlichen Kinder, die in Kundl zugestiegen sind. Die Fahrt verkommt zum kleinen Ehedrama. Er hat nicht so recht Lust auf den Christkindlmarkt in Innsbruck und lässt es in tiefem Unterländer Dialekt die ganze Famlie spüren. Die Mutter stichelt unentwegt und die zwei Burschen bekommen es permanent zu spüren.
Gottseidank kann ich aussteigen, bevor es möglicherweise eskaliert.
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