Außerplanmäßige Stops und alte ECs
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Als treuer ICE Fahrer ist man den Komfort eines alten Eurocity gar nicht mehr gewöhnt. Über eine Fahrt mit Hindernissen und einen ungeplanten Wechsel.
Ein schlechter Reisemorgen startet mit einem Mail der Deutschen Bahn. Und wehe der ersten Nachricht wird keine Beachtung geschenkt, dann folgt gleich eine zweite.
Dann werden aus 6 Minuten Verspätung bald 16 und schließlich 33 Minuten und man weiß schon vor der Abfahrt, dass es mit dem Anschluss in München (wieder mal) eng wird. Bei der Planung waren die "17 Minuten Umsteigezeit" schon ein auffällig kurzes Zeitfenster.
Mit
einer halben Stunde Verspätung tingelt man also von Bonn weg den Rhein entlang. Sagenumwobene Städte wie
Worms und Bingen schleichen vorbei. Wie soll so der Rückstand aufgeholt
werden? Die App sagt: In München pünktlich!
Dann folgt kurz nach Mannheim eine Botschaft, auf die selbst Hiob neidisch gewesen wäre: „Sehr geehrte Damen und Herren. Unser Zug EC115 endet heute außerplanmäßig in Stuttgart. In Stuttgart sollten wir einen Ersatzzug bekommen. Ich kann ihnen leider noch nicht sagen ab welchem Gleis Sie fahren können.“
Kurz darauf die nächste Meldung: „Wo und wann dieser fahren wird, kann ich ihnen leider nicht sagen.“
Die Navigations-App wusste es aber schon. Wider Erwarten war’s nicht der Bahnsteig 9 3/4 sondern vom Bahnsteig 12 aus direkt gegenüber auf Gleis 13. Kurz darauf bestätigte die sehr freundliche Bahnbedienstete die News aus der App. Überraschenderweise stand da tatsächlich schon der neue Zug und wartete.
Trotz des an sich einfachen Wechsels kam unter den Bahnfahrenden leise Hektik auf:
- Ja gelten jetzt die Reservierungen noch?
- Ist das nun Wagen 8 oder 9?
- Es ist 8 und 9!!
- Wie kann das sein?
- Da ist ein Waggon zu wenig, sagte der Schaffner schon.
- Ist doch scheissegal welcher Wagen das ist!
- Ja aber die Reservierung!
- Ich bekomm hier keine Luft.
Die
Damen mittleren Alters waren trotz aller Wirren super gelaunt und
nahmen die Verspätung mit Fassung. Nun gut, sie hatten auch Aussicht auf
eine herrliche Wanderwoche im Alpbachtal und keine Eile. Das trug wohl zur guten Laune
bei. An dieser Stelle muss auch betont werden: die Schaffner waren hilfsbereit und sehr freundlich.
Kurzum.
Ende der Bahngeschichte. Der Anschlusszug nach Innsbruck in der Form
vom RJ 1287 wartete nicht. Eine weitere Dreiviertelstunde ging also für
Warterei am Münchner Bahnhof drauf. Der wichtigste und zugleich windigste Umsteigebahnhof in
der Mitte Europas zeigte sich alt, zugig und ranzig. Eine Metallschachtel ohne Leben, dafür aber mit Kopf.

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