Wie man von Verspätungen profitieren kann
In vielen Bereichen des Lebens hat man mit Verspätungen zu kämpfen. Vor allem beim Bahnfahren. Ab und an kann man aber davon sogar profitieren.
Es war wieder einmal eine Bahnfahrt von Siegburg nach München und weiter nach Innsbruck angesagt. Am 9. November um 9:26 verließ der ICE 915 fast planmäßig den Bahnhof in Siegburg. Das hat ja fast Seltenheitswert. Bis Stuttgart lief dann alles planmäßig. Wieder Seltenheit. Keine Gleisstörung. Keine anderweitigen Probleme. Und das war gut so, denn in München blieben nur 8 Minuten zum Umstieg in den EC87 nach Bologna.
Voller Freude habe ich kurzerhand den falschen Waggon gewählt. In der falschen Garnitur. In Frankfurt blieben nur wenige Minuten zum Umsteigen. Aber es hat schließlich geklappt. Der reservierte Sitzplatz war zum Glück noch frei. Denn eigentlich erlischt die Reservation nach 15 Minuten.
Zu früh gefreut
Doch dann gab es in der Hauptstadt des Schwabenlandes ein Problem. Kurz vor Einfahrt in den Bahnhof rollten wir nur mehr langsam und kamen zum Stehen. Oha, das könnte spannend werden. Aber wie es schien war Fortuna heute mit uns.
Dann kam Ulm. Zunächst wurde "Polizeieinsatz" eingeblendet und wir blieben stehen. Nach kurzem Stop und etwa 4 Minuten Verlust ging es aber weiter. Das Display zeigt, dass wir pünktlich in München ankommen. Wir erinnern uns. Nur 8 Minuten zum Umsteigen.
Plötzlich hielten wir noch einmal. Ohne Ankündigung. Und es wurde auch nichts gesagt. im ICE Portal gab es den Hinweis "Reperatur am Zug". Ich hoffte, dass es kein Reifenwechsel ist und zum Glück ging es auch gleich weiter. Gleich nach 15 Minuten.
Im Endeffekt rollten wir mit 20 Minuten Delay wieder an und wir sollten nur noch 5 Minuten aufholen. Der Eurocity würde nicht warten und somit rückte eine pünktliche Ankunft in Innsbruck in weite Ferne.
Die Durchsage im ICE war dann auch klar. "Die Anschlusszüge warten nicht". Mit Spannung fuhren wir in München Hauptahnhof ein. Es fühlte sich ewig an. Die Gleise wurden gefühlt immer länger. Der Bahnsteig 15 war erreicht.
Ein glückliches Ende
Ich erinnerte mich an den Trick einer Zugbegleiterin von einer der letzten Fahrten: So weit vorne wie möglich platzieren und als erster Raushechten auf den Bahnsteig. Ich blickte zum Bahnsteig 12 hinüber. Da sollte der EC vor 6 Minuten gefahren sein.
Aber da standen noch Leute und somit stieg auch die Hoffnung. Wartende Leute in einem Bahnhof bedeuten ja immer Verspätung. Jetzt war ich so nah dran an der Anzeige, dass ich sie lesen konnte. Da stand tatsächlich der EC an oberster Stelle und ... "10 Minuten Verspätung."
Glückselig wurden Freudentänze gemacht und dann sofort in den Zug gesprungen - man weiß ja nie. Die Durchsage "Durch ein technisches Problem an einem Wagen verzögert sich die Abreise um etwa 20 bis 30 Minuten." wurde von mir nur noch mit einem Achselzucken hingenommen. Was sind schon 30 Minuten wenn die Option 2 Stunden Wartezeit am kahlen Münchner Hauptbahnhof die Option gewesen wären?

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