Das schlechte Gefühl

 

Schnellzug steht am Bahnhof


Du kennst das sicher. Du steigst in einen Zug ein und weisst schon vor der Abfahrt, dass das heute nichts wird. Und so ist es gekommen.

Innsbruck, Montag um 8:35. Der motivierte Fahrgast betritt den Bahnsteig und nach kurzer Suche auch den Zug, den IC1218. Irgendwie steht der verkehrt herum, denkt er sich. Und ja, der gebuchte Platz ist gegen die Fahrtrichtung. Kurz nach der Abfahrt der zweite Schock. Die benachbarten Reisenden entpuppen sich als lautstark quatschendes Volk. Aus den Dialogen geht sofort hervor, dass diese bis Berlin reisen.

Also wird kurzerhand der Platz gewechselt. Gleicher Wagen aber viel weiter hinten. In Tirol läuft sonst  alles nach Plan, aber kurz nach der Grenze nimmt das Unheil seinen Lauf. Das WLAN ist seit Kufstein weg und in Rosenheim stehen wir aufgrund eines Stellwerkproblems für 20 Minuten.

Halt entfällt

Diese Verspätung holen wir das kaum auf, vielleicht ein paar Minütchen in München Hauptbahnhof, aber das war es auch schon. Spätestens zwischen Ulm und Stuttgart ist sowieso alles egal. Eine neue Zeitrechnung beginnt.

Eine Durchsage lässt die Fahrenden wissen: Der Halt in Frankfurt fällt aus. Einfach so - ohne Grund. "Halt entfällt" prankt es rot in der App. Man kann es kaum glauben, wenn man es nicht mit eigenen Augen sehen würde. Die Durchsage bestätigt es.


 

Das Problem: In Frankfurt sollte ich eigentlich umsteigen. Das ging dann natürlich nicht. Die Möglichkeiten sind klar. Entweder weiterfahren bis zum Flughafen und dann eine viel spätere Verbindung nehmen. Oder bereits in Mannheim aussteigen und in einen gemächlichen Eurocity den Rhein entlang nach Bonn fahren tuckern.

Die falsche Wahl?

Manchmal trifft man 50:50-Entscheidungen einfach falsch. Von der DB-Navigator-App vorgeschlagen, klang diese eine Verbindung mit dem Eurocity sehr verlockend. Und es war auch die einzige, denn die andere Möglichkeit hatte sich bereits um eine Stunde verspätet.

Doch obwohl SBB draufstand war der EC8 von Basel nach Hamburg alles andere als pünktlich, modern und schnell. Kein Internet. Kaum Komfort. Bereits mit 20 Minuten Verspätung dran. Und der Schaffner: super gestresst. 

Wer kann es ihm verübeln. Ohne Scherz: Im selben Abteil waren zwei Blinde, die lauthals nach ihren Blindenstöcken suchten und überall anstießen. Ein Minderjähriger ohne Ausweis. Ein asiatischer Tourist, der einfach im falschen Zug saß ohne gültigem Ticket.

Ich entwickelte Mitleid für den Zugbegleiter. Mit jedem Fahrgast mehr, den er kontrollierte, stieg seine Stimme. Dann wurde er auch noch von einer Kollegin weggerufen und waren beinahe eine Stunde verschwunden.

Kurz vor Koblenz stehen wir. "Wie sie vielleicht bemerkt haben, sind wir hier in Oberwesel zum Stehen gekommen. Der Grund ist eine gesperrte Strecke." Ah, der Schaffner ist also immerhin noch im Zug. Aber auch in den Durchsagen danach gibt es keine bahnbrechenden (Haha) Infos mehr.

Wir reissen was auf

Hier stehen wir also bei strahlendem Sonnenschein, aber eingesperrt in einem Zug. Nach etwa 20 Minuten Wartezeit im Funkloch zu Oberwesel geht es weiter. Eine behördliche Sperre wurde angeordnet und das am Rosenmontag. Man möchte gar nicht nachfragen. Irgendwann beschließt die Sperre dann doch vorbei zu sein.

Da der Zug keinerlei Anstalten macht, die Verspätung aufzuholen, erreichen wir mit 40 Minuten Verspätung um 17:30 meine Destination Bonn-Beuel.

Einmal bin ich hier schon vor zwei Jahren gelandet und es hat sich seitdem nichts geändert. Vom Bahnsteig weg kommt man nur über eine steile provisorische Treppe und eine wackelige Brücke. Aber das nehme ich fast schon achselzuckend und resignierend hin - hier in Deutschland sind Dauerbaustellen einfach von langer Dauer.

Gegen 18:00 Uhr falle ich k.o. ins Hotelzimmerbett. Nach eine Diskussion bei der Rezeption warum ich keinen Pass mithabe. Jaja Ausweispflicht ... Netterweise wurde mein Führerschein akzeptiert und ich durfte in das (bereits bezahlte) Zimmer. 

Statt der veranschlagten 8 Stunden waren es dann am Ende fast 10 Stunden Reise. Und warum? Einfach so - keiner weiss den Grund. Das lustigste an der Fahrt waren die verkleideten Narren in der Sbahn.

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